Gott möchte in seiner ganzen Fülle erfahrbar werden.

Es gibt Menschen, deren Herz genau dafür schlägt und die bereit sind IHM hierin zu folgen. Das ist der Grund warum es Sinn macht, mit Bill Hybels auszurufen: “Die Ortsgemeinde ist die Hoffnung der Welt!”.
Einer der Aspekte von Ortgemeinde ist es, dass diese von den Menschen am Ort geprägt wird. Somit gleicht eine Ortsgemeinde nicht der anderen, denn es gehören unterschiedliche Menschen dazu. Damit Gott aber als Hoffnung der Welt erfahrbar wird, müssen Menschen in Bewegung kommen. Ein Teil der besonderen Kraft der Gemeinde liegt jedoch in der gemeinsamen Bewegung (5. Mose 32,30 und Math. 18,20). Je weniger eng eine Gemeinde durch direkte Vorgaben bzgl. Lehre, im Ablauf der Veranstaltungen oder der Rolle des einzelnen Christen durch die Leitung der Gemeinde in eine Richtung geführt wird, desto wichtiger wird es, sich in der gegebenen Freiheit trotzdem orientieren zu können und am Ende an einem Strang zu ziehen.
Nun mag man sagen, dass solange Jesus im Mittelpunkt ist und jeder an ihm festhält, ja keine Notwendigkeit besteht sich anderweitig zu orientieren. Man stelle sich einen Bus vor, in den Menschen einsteigen und der sich in Bewegung setzt. Denn wenn Jesus sich bewegt, bewegen wir uns ja alle mit. Soviel zur Theorie. Die Praxis zeigt, dass Menschen zwischendurch ein- und aussteigen.
  • Ihnen gefällt die Ansage der nächsten Station nicht
  • Wenn der Bus anhält, gehen Sie lieber zu Fuß weiter – wer weiß wann der Bus weiterfährt?
  • Sie geraten mit anderen Reisenden in Streit
  • Wenn  länger keine Ansage der nächsten Station kommt, werden sie unsicher
Und nicht nur in dem dritten Punkt hat das Verhalten etwas mit den anderen Menschen zu tun, denn es wird geredet und Einfluss genommen – sowohl zum Guten wie auch zum Schlechten.

“Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei” (1. Mo. 2,18). Von Anfang an stellt Gott die Abhängigkeit des Menschen von anderen fest. Diese lässt sich auch nicht vollständig durch die Gemeinschaft mit IHM auflösen, aber auch nur mit IHM gelingt sie. Ein Bus ist eben kein Motorrad mit nur einem oder zwei Sitzen (je nachdem, ob in Deinem Bild Gott einen Sitz braucht oder nicht).

Lebendige Steine in Bewegung

Um eine Bewegung Gottes gemeinsam mitmachen und auch gestalten zu können, oder eben  im Bus zu bleiben, hatte die erste Gemeinde in Jerusalem eine dokumentierte Vorgehensweise:

“Und sie blieben beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen.” (Apg. 2,42).

An dieser Stelle soll es darum gehen beständig, oder auch beharrlich bzw. treu, in der Lehre der Apostel zu bleiben. Interessant ist, dass im Vers auf keine Liste über diese Lehre verwiesen wird. Anhand der Bibel wird klar, dass es grundlegende Wahrheiten gibt, die immer gelten. Ebenso ist, bspw. aus den Briefen klar, dass es situations- und gemeindebezogen andere Gewichtungen von Lehre geben kann.

Daher ist es hilfreich, in einer Gemeinde bestimmte Eckpfeiler der Lehre aus beiden Bereichen aufzustellen: Grundlegende Wahrheiten mit gemeindespezifischer Prägung. Sie halten Dinge zusammen und setzen einen Rahmen für das Haus als welches die Gemeinde u.a. beschrieben wird. Lebendige Steine brauchen gesunde Lehre und gesunde Beziehungen. So kann jeder in seine Funktion kommen und gesundes Wachstum stattfinden. Kernwerte sind theologische Werte, die für ein Haus, also eine Gemeinde, kennzeichnend sind.

Kernwerte können als Glaubenssätze formuliert werden. Als solche tragen Sie eine Offenbarung in sich und führen dann auch zu einem bestimmten Verhalten. Das ist schlicht geistliches Wachstum. Nehmen wir den Satz

  • “In Christus haben wir eine von Gott gegebene Identität als gleichwichtige Individuen mit unterschiedlichen Rollen”

Ein Beispiel dazu: Obwohl ein Mensch früher seinen Wert aus Taten bezogen hat und vielleicht immer noch sehr abhängig von Lob ist, kann er heute zur Ruhe kommen und sogar Kritik annehmen, da Gott ihm Identität gibt und er in seiner Liebe wächst.
Das sind Werte, die viele Gemeinden zumindest teilweise vertreten und lehren.

Am Ende der Zeit ist eine Sicht darauf, wie sich Gott Gemeinde vorstellt, sehr relevant. Nehmen wir zwei weitere Sätze hierzu.

  • “Der Auftrag der Gemeinde ist, Christus umfassend zu repräsentieren”
  • “Die Dreieinigkeit ist ein Muster für unsere Beziehung mit Gott und Untereinander”

Wenn ich Offenbarung darüber habe, welchen Wert diese beiden Aussagen haben, werde ich stark nach Einheit mit anderen Christen streben. Sie haben eine Auswirkung darauf, wie ich meine Individualität in Christus auslebe und erfordern eine gewisse Auseinandersetzung mit anderen Christen. Daher ist diese Ausrichtung eher nicht so populär wie eine Individualität, die eher auf die eigene Person und die persönliche Gemeinschaft mit Gott gerichtet ist.

Die eine Sache

In einer örtlichen Gemeinde wird es auf Dauer nicht die eine Sache geben, außer natürlich Jesus, auf die man sich ausrichtet. Eine Sicht darauf zu erlangen, worum es eigentlich geht, ist darum nicht so einfach wie in einer

  • Gemeinde mit einer definierten Satzung,
  • Denomination, die klar bestimmte Dinge betont und andere eher ablehnt oder
  • Bewegung, die eine definierte Zielgruppe anspricht.

All das ist ebenso wenig örtliche Gemeinde wie eine solche in der eine Person die Aufgabe hat, den größten Teil des Gemeindelebens zu prägen, z.B. weil sie ein Gehalt dafür bezieht.

Es ist viel einfacher Einheit um einer praktischen Sache Willen (Satzung, Lehre, Person) zu bekommen, als darüber, um der Einheit willen eins zu sein und nur deswegen die Beziehungen zu schützen – komme was wolle. Dazu braucht es eine Identität, die nicht nur meine Bedürfnisse, sondern auch Gottes Bedürfnisse einbezieht. Der zweite und dritte Satz zum Auftrag der Gemeinde und wie wir Beziehung leben, geht in diese Richtung.

Der Plan

Gott hat einen ultimativen Plan, der den Tod und die Auferstehung von Jesus Christus beinhaltet aber dort nicht endet. Auch das “Macht zu Jüngern” (Math. 28,19) schließt diesen Plan nicht ab, sondern führt weiter. Paulus schreibt darüber im Epheser-Brief (Kapitel 1,9-10 NGÜ)

“Er hat uns seinen Plan wissen lassen, der bis dahin ein Geheimnis gewesen war und den er – so hatte er es sich vorgenommen, und so hatte er beschlossen – durch Christus verwirklichen wollte, sobald die Zeit dafür gekommen war: Unter ihm, Christus, dem Oberhaupt des ganzen Universums, soll alles vereint werden – das, was im Himmel, und das, was auf der Erde ist. “

In den folgenden Versen und Kapiteln führt Paulus diesen Plan weiter aus und bezeichnet ihn schließlich in Eph. 3,11 als den “ewigen Vorsatz”. Ein wesentliches Bild für die Erfüllung dieses Vorsatzes ist das Hochzeitsmahl des Lammes (Off. 19,7) in dem die gerechten Heiligen als für die Hochzeit bereitgemacht Frau, als Braut, erscheinen. Auf dem Weg dorthin dürfen wir entdecken, was es bedeutet, dass alles unter Christus vereint wird.

Meistens brauchen wir in unserem Alltag nicht zuerst diesen ewigen Vorsatz Gottes. Für Menschen, die Jesus noch nicht kennengelernt haben, ist dies auch nicht entscheidend, denn sie brauchen Errettung. Dann geht es aber darum zu erkennen, dass sie damit, durch das Erlösungswerk der Errettung, aus der Perspektive von Gottes Plan zunächst einfach wieder am Eigentlichen teilnehmen, worum es überhaupt geht. Die Gemeinde auf dem Weg zur Braut hat die Ausrichtung auf ihre Zubereitung, dass sie geschmückt ist, wenn die Zeit gekommen ist. Und diese Gemeinde hat auch eine andere Auswirkung auf die Welt um sie herum.

Wir sind auf dem Weg

Die Entwicklung von Kernwerten schafft Bezug zwischen dem Plan Gottes und unserer Gemeinde. Sie helfen uns in der Zeit des Aufbaus, eine gemeinsame Richtung zu entwickeln und auch Begeisterung wie Last zu teilen. Das wovon Du begeistert bist, hat seinen Platz in den Kernwerten dieser Gemeinde. Begeisterung entsteht eher wenig, wenn ich den Wert einer Sache nicht verstehe oder nicht bereit bin, mich darauf einzulassen. Bin ich bereit, mich, neben dem was ich persönlich auf dem Herzen habe, auch auf das einzulassen, was Gott anderen Menschen in der Gemeinde in ihr Herz gelegt hat? Bin ich sogar bereit die Beziehung zu Ihnen so hoch zu achten, dass ich ihre Last auch einmal höher stelle, als meine eigene? Das tun lebendige Steine und dann kann neben der Last auch Begeisterung geteilt werden, was dazu führt, dass man nicht mehr so häufig aus dem Bus aussteigt und immer mehr Leute einsteigen.

Auf dem Herz der Ältesten ist es, mit der Gemeinde ein Vorbild für neutestamentliche Gemeindestruktur und eine Offenbarung über das Herz Gottes zu entwickeln und in die Welt zu tragen. Auf dem Weg dahin hat Siegmar eine Ausarbeitung “Der ewige Plan Gottes” in fünf Teilen verfasst und in der Gemeinde vorgestellt. Die Inhalte daraus sind über Jahrzehnte gereift und wurden zuerst in Arbeitsgruppen aufgegriffen und daraus eine Rohfassung der Kernwerte entwickelt. In einem zweiten Schritt wurde die Rohfassung weiter zum aktuellen Stand zusammengefasst. Aus diesem Stand lassen sich schon recht gut Kernsätze formulieren und die drei Aussagen oben zur Identität, zum Auftrag der Gemeinde und dem Muster der Dreieinigkeit für Beziehungen stammen daraus . Der Prozess ist damit noch nicht abgeschlossen und so soll eine weitere Auseinandersetzung der ganzen Gemeinde mit diesen Grundwahrheiten eine weitere Verfeinerung und eine gemeinsame Sicht auf das Haus, welches Gott mit uns bauen möchte, hervorbringen.